Programm

*** 16.03.2020: Aufgrund der aktuellen Lage werden alle bis 19.04. geplanten Workshops auf später in diesem Jahr verschoben. Wir werden alle Angemeldeten informieren, sobald neue Termine feststehen. ***



IPSY ist ein universelles, primärpräventives Präventionsprogramm. Deshalb setzt es bei ganzen Populationsgruppen (wie Schulklassen) an, bevor es zum Konsum von Alkohol und Zigaretten kommt bzw. bevor sich Konsummuster verfestigen können.

Ziele des IPSY Programms sind:

• Verhindern bzw. Vermindern von Substanzkonsum (-missbrauch)
• Hinauszögern des Konsumbeginns
• Förderung einer positiven Entwicklung im Jugendalter

IPSY basiert auf dem Lebenskompetenzansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Programm soll durch die Förderung von Kompetenzen, die eine positive Auseinandersetzung mit anstehenden allgemeinen Entwicklungsaufgaben ermöglicht (sog. Lebenskompetenzen) bzw. spezifisch in Konsumsituationen bedeutsam sind, suchtpräventiv wirken. Dazu zielt das Programm IPSY auf die Förderung einer positiven Beziehung zur Schule ab und vermittelt Wissen zu kurzfristigen Konsequenzen, Wirkungsweisen und Prävalenzen von Alkohol und Zigaretten.

Kurzpräsentation zum Download

Aufbau

Das IPSY-Programm besteht aus drei Teilen für die Klassenstufen 5 bis 7 (11. - 13. Lebensjahr), wobei in Klassenstufe 5 (Basisprogramm) der Fokus auf der Vermittlung allgemeiner intra- und interpersonaler Lebenskompetenzen liegt. In den beiden folgenden Programmteilen (Auffrischungssitzungen, sog. "booster sessions", in Klasse 6 und 7) steht neben der Wiederholung das Anwenden und Üben im Mittelpunkt. Dabei werden die vorgegebenen Situationen, in denen interaktiv gelernt wird, immer spezifischer auf Substanzkonsum zugeschnitten, entsprechend der wachsenden Normativität der Konfrontation mit Alkohol und Zigaretten im Alltag der Jugendlichen.

Das Basisprogramm umfasst 15 Einheiten (10×90 min, 5×45 min), die beiden Auffrischungssitzungen jeweils 7 Einheiten (je 4×90 min, 3×45 min). Insgesamt beläuft sich die Trainingsdauer auf über 33 Stunden, was einem Programm mit hoher Intensität bzw. einer hohen Anzahl an Einheiten entspricht. Der konkrete Ablauf der einzelnen Sitzungen ist im strukturierten Manual für alle drei Programmteile dargestellt.

Überblick Einheiten (PDF-Datei) und Beispieleinheit (PDF-Datei).

Inzwischen wurde auch ein Programmteil (Auffrischungssitzungen) für Klasse 8 entwickelt. Dieser ist nicht Bestandteil des veröffentlichten Programmmanuals. Nähere Informationen sowie das Manual zu IPSY für die 8. Klassenstufe finden Sie hier.


Theoretischer Hintergrund & Präventionsmodell

Konzeptuelle Modelle zur Entstehung jugendlichen Substanzkonsums sowie damit verbundene empirische Befunde, Erkenntnisse zu effektiven Elementen bisheriger Präventionsmaßnahmen und das Modell der Lebenskompetenzenerziehung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bilden die Grundlage für die Entwicklung des Lebenskompetenzprogramms IPSY.

Im dem Programm zugrundeliegenden Präventionsmodell wird angenommen, dass jugendlicher Substanzkonsum in einem Kontext allgemein wirkender Risikofaktoren in der Person (Persönlichkeit, Disposition), der unmittelbaren Umgebung Jugendlicher in Familie und Peergruppe (mangelnde Unterstützung, negative Rollenmodelle mit devianten Verhaltensweisen) und weiterreichender ökologischer Systeme (z.B. allgemeine Verfügbarkeit) entsteht. Distal (mittelbar) auf Substanzkonsum wirkende Faktoren sind personale (Selbstwert, Problemlösekompetenzen etc.) und interpersonale Kompetenzen (Selbstsicherheit, angemessene Kommunikationsfähigkeiten), die insgesamt als allgemeine Lebenskompetenzen zusammengefasst werden können. Weiterhin beeinflussen substanzspezifische Kompetenzen (wie Widerstand gegenüber einem Konsumangebot) und einschlägiges Wissen (z. B. zu Prävalenz und Konsequenzen) auf distaler Ebene jugendlichen Substanzkonsum. Schließlich wird im Modell angenommen, dass die Bindung an normvermittelnde Kontexte (wie die Schule) und die Unterstützung, die Jugendliche hier erfahren, auf Substanzkonsum wirkt. Distale Risiko- und Protektionsfaktoren stehen direkt sowie vermittelt über proximale (verhaltensnahe) psychologische Faktoren (Annahmen über die Normativität des Konsums oder dem Nutzen von Konsumverhalten etc.) mit dem tatsächlichen Konsumverhalten in Beziehung.

Das Programm IPSY zielt auf die Beeinflussung distal wirkender Risiko- und Protektionsfaktoren für Substanzkonsum durch die Vermittlung entsprechender Programminhalte wie Lebenskompetenzen ab.

Komponenten des IPSY-Curriculums, die sich auf intrapersonale Kompetenzen beziehen, thematisieren und üben Selbstwirksamkeit, Selbstaufmerksamkeit, Umgang mit Stress und starken Gefühlen, Empathie, und sie vermitteln Kompetenzen zum Treffen überlegter Entscheidungen und effektiven Problemlösen. Interpersonale Kompetenzen sollen bei IPSY durch das Schulen effektiver Kommunikation, selbstsicheren Verhaltens und des Widerstands gegenüber Gruppendruck gefördert werden und substanzspezifische Kompetenzen durch Übungen zum Nein¬sagen und zum Widerstehen gegenüber Gruppendruck in konkreten, für Alkohol- und Zigarettenkonsum alterstypischen Situationen.

Neben der Vermittlung von Wissen zum Substanzkonsum im Jugendalter (z. B. Konsequenzen, Prävalenz, Analyse von Werbung für Alkoholika und Zigaretten), wird beim Programm IPSY die Förderung einer positiven Einstellung gegenüber der Schule, den Mitschülern und Lehrern durch Übungen und Reflexionen verfolgt, und es werden Lerntechniken und -strategien vermittelt und ausprobiert


Hinweise & Material zur Programmdurchführung

Bei Interesse an der Durchführung von IPSY hat es sich bewährt, vor Programmvermittlung in der Schulklasse sowohl Schulleitung und Kollegen, als auch die Eltern über das Programm IPSY zu informieren. Dies kann mündlich (z.B. Schulkonferenz, Elternabend), aber auch in schriftlicher Form geschehen. In einem Flyer und einem Informationsblatt unter "Materialien" sind grundlegende Informationen zum Programm IPSY zusammengefasst, die Vermittlern die Kommunikation erleichtern können, beispielsweise in dem diese Übersichten als Anlage zu Elterninformationsbriefen beigelegt werden.


Weiterführende Informationen im Programmmanual: Karina Weichold & Rainer K. Silbereisen (2014). Suchtprävention in der Schule: IPSY - Ein Lebenskompetenzprogramm für die Klassenstufen 5-7. Göttingen: Hogrefe.